Über
Uns

„DAS SCHLIMME
ist nicht
In einer Zelle zu sitzen
Und verhört zu werden
Erst danach
Wenn du wieder vor einem Baum stehst
Und dich freuen willst
Richtig freuen
Wie vorher
Erst dann“

Jürgen Fuchs: Tagesnotizen, Gedichte, Reinbek bei Hamburg 1979

VEREINSZWECK

Am 11.10.2017 hat sich der Verein für Förderung und Wahrung des Gedenkens der Opfer des kommunistischer Gewaltherrschaft Meißen gegründet.
Der Verein beschäftigt sich intensiv mit der Erforschung von Schicksalen von im Großraum Meißen geborenen:

Opfer der innerdeutschen Grenze

Opfer, die an der innerdeutschen Grenze (außer Berlin) ums Leben kamen. Die Zahl der Toten wird auf min. 421 geschätzt.

Opfer an der Berliner Mauer

Opfer, die ab 1961 bis 1989 bei ihrem Fluchtversuch an der Berliner Mauer  erschossen wurden. 

Häftlinge der UHA

Opfer, die sich ab 1949 in der Untersuchungshaftanstalt Bautzner Straße Dresden befanden.

Opfer der SBZ/DDR bzw. der UdSSR

Opfer (mittlerweile rehabilitiert), die ab 1941 von sowjetischen Militärtribunalen (SMT) oder anderen sowjetischen Militärstraforganen auf dem Territorium der SBZ/DDR bzw. der UdSSR verurteilt wurden.

Diesen Opfern soll nach Möglichkeit ein Gedenkort an einer Stelle der Repression in Meißen gewidmet werden.
Wir legen dabei allerhöchsten Wert darauf, dass die Opfer wirklich zu Unrecht verurteilt wurden, was anhand einer Rehabilitierungsbescheinigung, auch aus Russland, belegt wird. Für die Zeit des II. Weltkrieges, der Besatzungszeit und der SBZ/DDR wird dadurch sichergestellt, dass es sich um keine sogenannten Nazi- und/oder Kriegsverbrecher handelt.

Die Mitglieder des Vereins arbeiten parteiübergreifend, geschlechterübergreifend, generationenübergreifend und in heutiger Zeit nicht selbstverständlich, unabhängig von staatlicher Förderung.
2 Mitglieder haben selbst in der MfS UHA Dresden gesessen.

Sozialismus ist nichts anderes als der Kosename für Kommunismus, also nichts anderes, als der "Teufel beim Maskenball"

„Der Kommunismus erhebt den radikalen Egalitarismus zur Tugend. Er möchte, um es in neuerer Terminologie auszudrücken, eine ‚Nivellierung nach unten‘ vornehmen und lässt sich dabei von asketischen Gedanken leiten: das Private dürfe nicht die Oberhand über das Gemeinschaftliche gewinnen, und der Egoismus sollte beinahe vollständig ausgerottet werden. Der Kommunismus beruht nicht auf der Steuerung der Produktion, sondern auf der Regelung der Konsumtion. Er ist im Wesentlichen eine ethische Ordnung, die im Egalitarismus nicht so sehr einen Selbstzweck erblickt, sondern eher eine Instanz der notwendigen sittlichen Kontrolle, die die Schwachen vor den Starken schützt“ (Giddens, Anthony: Jenseits von Links und Rechts. Die Zukunft radikaler Demokratie. Frankfurt 1999, S. 87.)

Es ist heute unzweifelhaft, dass der rote Massenmord nicht mit dem abtrünnigen Stalin, sondern dem Verkünder der reinen Lehre, Lenin, begann. Bevor sein Nachfolger die russische Bühne betrat, hatten dreizehn Millionen Menschen das große menschheitsbeglückende Experiment des Kommunismus mit ihrem Leben bezahlt. Von Lenin unwidersprochen, fasste dessen Mitstreiter Sinowjew das Ziel der Sowjetherrschaft lapidar zusammen: „Wir müssen neunzig von hundert Millionen der Bevölkerung in Sowjetrussland auf unsere Seite bringen. Mit dem Rest kann man nicht reden, ihn muss man vernichten.“

Lenin hat dem eine entscheidende und für die weitere Entwicklung folgenreiche Wendung hinzugefügt. Nach seiner Auffassung ist die Arbeiterbewegung nicht aus sich heraus in der Lage, das Heft in die Hand zu nehmen, es fehle ihr an Klassenbewusstsein und an Handlungsfähigkeit. Notwendig ist daher, Lenin zufolge, eine starke Partei der Arbeiterklasse, die als revolutionäre Avantgarde als einzige imstande ist, die Lage richtig einzuschätzen und politische Konsequenzen daraus zu ziehen. Die Partei ist unfehlbar, sie verlangt Gehorsam, Linientreue und Gefolgschaft. Von hier aus liegt der Schritt zu einem Modell der Diktatur der marxistisch-leninistischen Partei auf der Hand.

Bereits im Kommunistischen Manifest, Februar 1848, ist von „despotischen Eingriffen in das Eigentumsrecht“ die Rede. Ferner wird die „Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat“ gefordert. Als Herausgeber und Chefredakteur der „Neuen Rheinischen Zeitung“ stellte Marx am 14. September 1848 fest: „Jeder provisorische Staatszustand nach einer Revolution erfordert eine Diktatur, und zwar eine energische Diktatur.“ Im Jahre 1850 begegnet uns die „Diktatur der Arbeiterklasse“. Ziemlich zeitgleich unterzeichnen Marx und Engels ein Dokument mit der Überschrift: „Weltgesellschaft der revolutionären Kommunisten“, in dessen Art. 1 von der „Diktatur der Proletarier“ die Rede ist: „Das Ziel der Assoziation ist der Sturz aller privilegierten Klassen, ihre Unterwerfung unter die Diktatur der Proletarier, in welcher die Revolution in Permanenz erhalten wird bis zur Verwirklichung des Kommunismus, der die letzte Organisationsform der menschlichen Familie sein wird.“ Wenig später heißt es: „Die Klassendiktatur des Proletariats“ sei ein „notwendiger Durchgangspunkt zur Abschaffung der Klassenunterschiede überhaupt“. In einem aufschlussreichen Brief schrieb Marx am 5. März 1852: „Was ich neu tat war 1. nachzuweisen …, dass der Klassenkampf notwendig zur Diktatur des Proletariats führt; … 3. dass diese Diktatur selbst nur den Übergang zur Aufhebung aller Klassen und zu einer klassenlosen Gesellschaft bildet.“ 

Der Beschluss des Rates der Volkskommissare über den Roten Terror vom 5. September 1918 ging auf Lenin zurück. Zum Terror gehörten die Lager und ein Befehl Lenins, den er am 9. August 1918 per Telegramm an J.B. Bosch zur Ausführung weiterleitete: „Es ist notwendig, eine besondere Truppe von ausgesuchten, zuverlässigen Männern zu organisieren. Diese müssen einen unbarmherzigen Massenterror gegen Kulaken, Geistliche und Weißgardisten durchführen. Alle verdächtigen Personen sind in einem Konzentrationslager außerhalb der Stadt festzusetzen. Die Strafexpedition sollte sofort ausgesandt werden. Drahtet über die Ausführung dieses Befehls. Präsident des Sownarkoms, LENIN.“

In seinem Vorwort schreibt der Herausgeber des ‚Schwarzbuch des Kommunismus‘, Stephane Courtois: „Nach den wichtigen Debatten, die das ‚Schwarzbuch‘ insbesondere in Deutschland ausgelöst hat, versucht die extreme Linke, die kommunistischen Verbrechen hinter der (angeblichen) Reinheit des marxistischen Ideals zu verstecken. Nachdem sie sich jahrzehntelang rechtfertigte, indem sie dem ’schlechten Stalin‘ den ‚guten Lenin‘ gegenüberstellte, rechtfertigt sie sich heute mit der Gegenüberstellung des ‚guten Marx‘ und des ’schlechten Lenin‘ . . .
Die Abstammung des Leninismus vom Marxismus wird also wieder zu einer wichtigen intellektuellen und politischen Frage, und das Buch von Konrad Löw gibt darauf eine erste Antwort.“
(Konrad Löw: „Das Rotbuch der kommunistischen Ideologie. Marx & Engels – die Väter des Terrors“ (mit einem Vorwort von Stéphane Courtois, Herausgeber von „Das Schwarzbuch des Kommunismus“) Verlag Langen Müller, München 1999, 336 Seiten)

Als Lenin 1924 starb, hatte seine Revolution mindestens dreizehn Millionen Menschenleben gekostet, davon nur rund 800 000 im Bürgerkrieg. Millionen fielen dem Klassen-Terror zum Opfer, der nicht danach fragte, was die Menschen taten, sondern wer sie waren. Stalin hatte 1925 nur das Erbe Lenins anzutreten. Mit der bekannten revolutionären Willkür ging Stalin daran, seine alten Mitkämpfer und jetzigen Machtrivalen als Abweichler und Verräter zu liquidieren. Ein besonders grausames Kapitel in der Vernichtung der eigenen Bevölkerung geschah im Prozess der Zwangskollektivierung von Bauernhöfen mit Vieh und Anbauland in der Ukraine. Der „Holodomor“ (übersetzt: Tötung durch Hunger) begann 1932, als sich zahlreiche ukrainische Bauern dem Zwang zur Kollektivierung verweigerten, die den Verlust ihres Eigentums an Land, Höfen und Vieh bedeutete. Die sowjetischen Behörden waren weit davon entfernt, nach einer Lösung zu suchen, die den Vorstellungen der Bauern entsprochen hätte, und führten durch Beschlagnahmung, Bestrafung, Ermordung und Zwangsarbeit einen Prozess der Unterdrückung durch, bolschewistische Brigaden suchten nach versteckten Lebensmitteln. Dörfer wurden systematisch ausgeplündert. Bauern wurden zu obdachlosen Bettlern. Ernten wurden verkauft, um Devisen heranzuschaffen für Stalins Industrialisierungspläne. Das Ergebnis dieser massiven Enteignung, Plünderung und der Zwangsvertreibung ganzer Gemeinden war der Tod zahlreicher Menschen. Wie hoch die Opferzahl ist, wird immer wieder diskutiert: Historiker berechnen sie auf zwischen 3,5 bis 14,5 Millionen Menschen.

Schätzungen der Opferzahl der Sowjetunion von 1917-1957

66 Mio.

20 Mio.

35 Mio.

Statistikprofessor Kurganow ¹

„Das Schwarzbuch des Kommunismus“ ²

Britische Foreigns Affairs Circle ³

66 Mio
  • Statistikprofessor Kurganow ¹
22 Mio
  • „Das Schwarzbuch des Kommunismus“ ²
35 Mio
  • Britische Foreigns Affairs Circle ³

(1 zitiert in Archipel Gulag, 2 Opfer des Lenischen Machteroberungskampfes nicht mitgezählt, 3 Ziviltote des Bürgerkriegs mitgezählt)

Auch das Lagersystem des Gulag brauchte Stalin nur ins Gigantische steigern

Wie viele Millionen Menschenleben Stalins Regime forderte, lässt sich nicht genau ermitteln. In den endlosen Weiten Sibiriens verlieren sich zu viele Spuren. Historiker schätzen, dass zu Stalins Zeiten 28,7 Millionen Menschen als Zwangsarbeiter im Gulag schmachteten. Schliesslich muss auch Stalins Massenmord an den Kaukasus- und Krim-Völkern erwähnt werden, die in den vierziger Jahren mit brutalsten Mitteln deportiert wurden. Genozide, von denen niemand spricht. Solschenizyn zitiert in seinem „Archipel Gulag“ den emigrierten Statistikprofessor Kurganow, der die Opfer des kommunistischen Experiments in der Sowjetunion von 1917 bis 1959 auf 66 Millionen Menschen beziffert. Das «Schwarzbuch des Kommunismus» rechnet sehr zurückhaltend mit zwanzig Millionen Toten, wobei wohl die Opfer des Leninschen Machteroberungskampfes nicht mitgezählt sind. Der britische Foreigns Affairs Circle nennt einschließlich der Ziviltoten des Bürgerkriegs 35 Millionen Getötete.

Zu den Betroffenen des stalinistischen Terrors müssen aber auch noch die Opfer der sowjetischen Besetzungs- und Unterdrückungspolitik in Ost- und Mitteleuropa gezählt werden, die das «Schwarzbuch» auf rund eine Million Menschen beziffert.

Nach dem II. Weltkrieg kam es zur Verschleppung von Deutschen:

(Auszug)
Anordnung des Ministerrats der UdSSR „Über den Abtransport der in Gefängnissen und Lagern gehaltenen Deutschen aus Deutschland“
N° 2728-1124, streng geheim, vom 23.01.1946

Zur Gewährleistung von Arbeitskräften für die Kohle- und Erdölindustrie ordnet der Ministerrat an:
1. Die Sowjetische Militärverwaltung in Deutschland (Gen. Sokolewskij) und das Ministerium des Innern der UdSSR (Gen. Kruglow und Serow) zu verpflichten, aus den Reihen der in Sonderlagern und Gefängnissen des Ministeriums des Innern in Deutschland gehaltenen Personen arbeitsfähige Männer gemäß Anhang auszuwählen und zu verschicken, und zwar 27.500 Männer zum Arbeitseinsatz bei Unternehmen des Ministeriums der Kohleindustrie der östlichen Regionen der UdSSR und des Ministeriums für den Bau von Brennstoff-Unternehmen. […]

Der Vorsitzende des Ministerrats der UdSSR J. Stalin
Der Leiter in Angelegenheiten des Ministerrats der UdSSR J. Tschadajew

Rechtsgrundlage der Verfolgung deutscher Zivilisten durch Sowjetische Militärtribunale und zur Verurteilung war der sogenannte „Achundfünfziger“- siehe unten. Neben Verurteilungen in der SBZ/DDR für dort begangene Taten fallen darunter auch Verurteilungen in der Sowjetunion und für dort begangene Taten.

Es sind dies:
Verurteilungen deutscher Zivilisten in der Sowjetunion
außerhalb ihres Staatsgebiets, insbesondere in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR;
für außerhalb der Sowjetunion, insbesondere in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR begangene, Taten.

Artikel 58 des Strafgesetzbuches der RSFSR wurde am 25. Februar 1927 erlassen und mehrere Male revidiert.

Gib mir nur den Menschen, den Paragraphen für ihn finde ich schon.

Russisches Sprichwort

Art. 58,1 Konterrevolution, Vaterlands- und Hochverrat
Art. 58,2 Bildung einer illegalen Gruppe mit dem Ziel der Machtergreifung auf dem Territorium der Sowjetunion, bewaffneter Aufstand in konterrevolutionärer Absicht
Art. 58,3 Verbindung mit Konterrevolutionären im Ausland
Art. 58,4 Unterstützung und Wiederaufbau des internationalen Bürgertums
Art. 58,5 Beeinflussung ausländischer Staaten zum Nachteil der Sowjetunion
Art. 58,6 Spionage
Art. 58,7 Diversion in konterrevolutionärer Absicht, Unterstützung zugunsten früherer Eigentümer gegen Wirtschaft, Verkehr und Geldumlauf
Art. 58,8 Terrorakte gegen die Sowjetunion
Art. 58,9 Sprengstoffattentate, Brandstiftung u.a. auf andere Weise begangene Zerstörungen / Beschädigungen
Art. 58,10 Antisowjetische Propaganda
Art. 58,11 Antisowjetische Propaganda und jede Art organisatorischer Tätigkeit mit dem Ziel der Gruppenbildung zur Vorbereitung oder Begehung eines konterrevolutionären Verbrechens
Art. 58,12 Nichtanzeige eines in Vorbereitung befindlichen oder vollendeten konterrevolutionären Verbrechens
Art. 58,13 Kampf gegen die Arbeiterklasse oder die revolutionäre Bewegung
Art. 58,14 Konterrevolutionäre Sabotage, d.h. Nichtbefolgung von Aufträgen und Anordnungen oder die fahrlässige Ausführung

Gib mir nur den Menschen, den Paragraphen für ihn finde ich schon.

Russisches Sprichwort

Art. 58,1 Konterrevolution, Vaterlands- und Hochverrat
Art. 58,2 Bildung einer illegalen Gruppe mit dem Ziel der Machtergreifung auf dem Territorium der Sowjetunion, bewaffneter Aufstand in konterrevolutionärer Absicht
Art. 58,3 Verbindung mit Konterrevolutionären im Ausland.
Art. 58,4 Unterstützung und Wiederaufbau des internationalen Bürgertums
Art. 58,5 Beeinflussung ausländischer Staaten zum Nachteil der Sowjetunion
Art. 58,6 Spionage
Art. 58,7 Diversion in konterrevolutionärer Absicht, Unterstützung zugunsten früherer Eigentümer gegen Wirtschaft, Verkehr und Geldumlauf
Art. 58,8 Terrorakte gegen die Sowjetunion
Art. 58,9 Sprengstoffattentate, Brandstiftung u.a. auf andere Weise begangene Zerstörungen / Beschädigungen
Art. 58,10 Antisowjetische
Art. 58,11 Propaganda
Antisowjetische Propaganda und jede Art organisatorischer Tätigkeit mit dem Ziel der Gruppenbildung zur Vorbereitung oder Begehung eines konterrevolutionären Verbrechens
Art. 58,12 Nichtanzeige eines in Vorbereitung befindlichen oder vollendeten konterrevolutionären Verbrechens
Art. 58,14 Kampf gegen die Arbeiterklasse oder die revolutionäre Bewegung  Konterrevolutionäre Sabotage, d.h. Nichtbefolgung von Aufträgen und Anordnungen oder die fahrlässige Ausführung

All dies geschah unter den Augen und mit Zustimmung der in der SBZ/DDR durch Zwangszusammenschluss von KPD und SPD gebildeten SED.

Bis zum Vertrag vom 20.09 1955 bestand auf dem Gebiet der sogenannten DDR Besatzungsrecht. Auch danach war die DDR bis zum Ende eine Diktatur in „russischen Stiefeln“, denn diese blieben nämlich hier.
Die stalinistische Ausrichtung dieser Diktatur wurde unmittelbar nach DDR- Gründung festgelegt.

Das Kleine Sekretariat des Politbüros der SED beschloss am 17. Oktober 1949 eine enge Verzahnung des Parteivorstandes mit den Parteiorganisationen in der Regierung, der Verwaltung und den Volks- und Länderkammern. Diese hatten nicht nur Beschlussvorlagen der Regierung, Gesetzesvorlagen für die Volks- und Länderkammer, sondern praktisch alle für wichtig erachtete Materialien dem Politbüro zur vorherigen Beschlussfassung zuzuleiten. Um einer unnötigen Papierflut vorzubeugen, hatten die im Parteivorstand gebildeten Spiegelabteilungen mit dem jeweils höchsten SED-Funktionären in den Regierungsstellen die Vorlagen abzustimmen und vorzubereiten. Dabei war die entsprechende Abteilung des Parteivorstandes sowohl den Ministerien als auch den Volkskammerabgeordneten gegenüber weisungs- und kontrollberechtigt 1. Damit hatte faktisch das Politbüro bzw. dessen Kleines Sekretariat die Funktionen von Legislative und Exekutive usurpiert und war alleiniges Machtorgan geworden.Es handelte sich um einen Coup de tête, der insbesondere Teil C der erst 10 Tage vorher beschlossenen Verfassung, speziell die Art. 50 bis 144, außer Kraft setzte.

1 Vgl. Anlage Nr. 5 zum Protokoll der Sitzung des Kleinen Sekretariats, SAPMO-BArch DY 30/J IV 2/3/57, in: Judt, M. (Hrsg.), DDR-Geschichte in Dokumenten, Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1998, Christoph Links Verlag, S. 77 f.

Die Einflussnahme der SED in den nicht von SED-Ministern geleiteten Ministerien wurde dadurch gewährleistet, dass deren Stellvertretende Minister bzw. Staatssekretäre Mitglieder der SED waren.
All dies blieb selbstverständlich der Öffentlichkeit verborgen bzw. konnte dort nur vermutet werden.
Die Verantwortung der SED wurde nie ausreichend benannt. Dies hätte zum Verbot dieser Partei führen müssen.

Mit Blick auf den Nationalsozialismus haben wir ein gutes Instrumentarium entwickelt, wie mit den Symbolen einer menschenverachtenden Diktatur umgegangen werden sollte. NS-Uniformen dürfen ebenso wenig auf der Straße getragen werden, wie das Hakenkreuz gezeigt werden darf. Die Verherrlichung des Regimes und die Leugnung seiner Verbrechen können sogar mit fünf Jahren Haft bestraft werden. In vielen ehemaligen Ostblock-Staaten sind diese Dinge längst nicht nur für den Nationalsozialismus, sondern auch für den Kommunismus verboten.
Das Staatswappen der DDR, das sich auch auf der Fahne befand, ist das Symbol der SED-Diktatur. Ist es nicht Zeit, dass dies in der Öffentlichkeit nichts verloren hat, genauso wenig wie das Wappen des Ministeriums für Staatssicherheit?

Im Osten Deutschlands haben sich bestimmte Milieus verfestigt, in denen die DDR offen verklärt, verharmlost und verteidigt wird. Das wiederum liegt vor allem daran, dass man dem nach 1990 nicht entschieden genug entgegengetreten ist. Die Ursachen der Verklärung fangen damit an, dass die meisten Verantwortlichen für das DDR-Regime und seine Verbrechen nie bestraft wurden. Auch die Symbole und Organisationen sind nicht verboten worden. Die SED hat sich lediglich umbenannt, die FDJ existiert sogar noch heute, ebenso die Zeitungen beider Organisationen. Hinzu kommt ein bedenklicher Opportunismus vieler Politiker und Journalisten, die häufig enormes Verständnis zeigen für das Mitmachen in der SED-Diktatur. Die Täter dagegen sind oft weich gefallen, auch SED-Funktionäre und Stasi- Mitarbeiter. Schon 1990, beim Einigungsvertrag, hat man eine Politik der Integration verfolgt: Stasi-Mitarbeit wurde straffrei gestellt, und viele Beschäftigte aus der DDR-Administration wurden in den öffentlichen Dienst von Bund und Ländern übernommen.

Ehemalige DDR-Grenzsoldaten mussten sich 1991 erstmals vor Gericht dafür verantworten, dass sie an der deutsch-deutschen Grenze flüchtende Ostdeutsche verletzt und erschossen haben. Die Justiz verhängte bis 2004 insgesamt gegen 275 „Mauerschützen“ Strafen und sprach 110 Personen frei.

Die juristische Aufarbeitung ist gescheitert. Sie musste scheitern, weil der Einigungsvertag festgelegt hat, dass auf Grundlage des DDR-Rechts verhandelt werden müsse. Die Gerichte haben das zum Teil mit Rückgriff auf internationale Rechtsvorschriften oder auf die Radbruch-Formel versucht zu umgehen, so dass es wenigstens zumindest bei den Gewalttaten an der Grenze zu einigen Verurteilungen kam“. ( Radbruch:“Ein Richter hat bei einem Konflikt zwischen dem positiven (gesetzten) Recht und der Gerechtigkeit immer dann –und nur dann gegen das Gesetz und stattdessen für die materielle Gerechtigkeit zu entscheiden, wenn das fragliche Gesetz als „unerträglich ungerecht“ anzusehen ist oder das Gesetz die im Begriff des Rechts grundsätzlich angelegte Gleichheit aller Menschen aus Sicht des Interpreten „bewusst verleugnet).

Es war Unrecht, dass:
über Jahrzehnte in der DDR keine freien Wahlen stattfanden. Ihre Ergebnisse wurden gefälscht, eine Nichtteilnahme an Wahlen konnte zu Haftstrafen führen
oppositionelle Schriftsteller für die Verbreitung regimekritischer Schriften verurteilt oder wie z. B. Wolf Biermann zwangsausgesiedelt wurden
„Republikflucht“ als Straftatbestand galt, durch Todesstreifen und Schießbefehl sollte sie verhindert werden
im Sommer 1961 der Schusswaffengebrauch gegen „Grenzverletzer“ angeordnet wurde
zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer mindestens 136 Menschen getötet wurden
an der innerdeutschen Grenze mindestens 421, wahrscheinlich aber wesentlich mehr Menschen ums Leben kamen, das Mauermuseum am Checkpoint Charlie geht von bis zu 1245 Getöteten aus
noch 1989 rund 189.000 IM aktiv tätig waren. Ein IM auf 89 Einwohner!
in 40 Jahren DDR 200.000 Menschen politisch verfolgt und zu Haftstrafen verurteilt wurden. Viele von ihnen mussten unmenschliche Haftbedingungen, Einzelhaft, physische und psychische Folter ertragen und unter gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen Zwangsarbeit leisten. Die medizinische Versorgung, die Ernährung und die sanitäre Ausstattung waren ungenügend
von 1963 bis 1989 fast 35.000 Häftlinge von der Bundesrepublik freigekauft werden mussten

Auf den folgenden Seiten finden Sie den Stand zu den Forschungsarbeiten zu Opfern aus dem Großraum, wie

Maueropfer (aus Lommatzsch)
Verurteilte durch SMT nach Besatzungsrecht
Biographien und Rehabilitationsbescheinigungen, auch wegen Republikflucht DDR

Opfer-Lager Mühlberg Speziallager 1
Opfer-Kommunisten, emigriert nach Moskau, von dort Verhaftung durch NKWD und Lagerhaft

Biographien „Erschossen in Moskau“
Opfer des DDR – Grenzregimes
Opfer „Zeuge Jehovas“ im Nationalsozialismus und in der DDR inhaftiert

Aufgrund des Schutzes der Persönlichkeitsrechte sind wir darauf angewiesen, mit dem zu arbeiten, was die Opfer preisgeben möchten. So sind auch die Ergebnisse der Recherchen in den Datenbanken nur möglich gewesen, weil die Opfer bzw. deren Verwandte dem zugestimmt haben.

Es ergeht deshalb von hier der Aufruf
Helfen Sie uns bei der Opferermittlung – Melden Sie sich!

Verfasser: Johannes Zeller, Dr.phil.,(Rechtsanwalt a. D.) geb. 1955 in Elsterwerda.1981 bis 1986 Studium der Verwaltungswissenschaft an der Thüringer Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung Weimar, 1986 bis 1991 Studium der Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, 2013 Promotion an der Universität Rostock, Titel der Dissertation: „Pluralismusfiktion mit unpolitischer Parteienexistenz – Drei Etappen der Gleichschaltung der LDP in den Jahren 1948 bis 1950, dargestellt amBeispiel des Landesverbandes Sachsen-Anhalt“ ; 2016 Veröffentlichung : „Prof. Dr. Hermann Kastner – Politiker, Lebemann, Agent -Eine Funktionärs-Bio¬graphie 1945 bis 1956“.

Menü schließen